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Freie Presse (Lokalteil Freiberg),
07.07.08
Viel Beifall für ein Festkonzert mit Tiefgang
Collegium Musicum der Bergakademie hat zum Jubiläum in voll besetzter Petrikirche gespielt
Von Reinhold Lindner
Mit ihrem Festkonzert am Sonnabend in der Petrikirche Freiberg haben Orchester und Chor des Collegium Musicum der TU Bergakademie für Aufsehen gesorgt, links Solistin Esther Hilsberg.
Foto: Eckardt Mildner
Freiberg. Kein Sitzplatz ist mehr frei gewesen am Sonnabend in der Petrikirche beim Jubiläumskonzert des Collegium Musicum der TU Bergakademie . Martin Bargel, einer der beiden Dirigenten, freute sich mit dem gesamten Ensemble über die große Publikumsresonanz. „Als Theatermensch würde ich sagen – ausverkauft.“ Und es gab riesigen Beifall für Chor, Orchester, die Solistin Esther Hilsberg, Martin Bargel und den Orchesterleiter Dirk Brandenburger. Das Collegium Musicum begeisterte mit seinem Programm zum 60-jährigen Gründungsjubiläum.
Zunächst galt der Beifall einem Orchestermitglied, das von Anfang an dem Collegium angehört – Fritz Zeißler, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte. Die Auswahl der Werke für dieses Konzert zeugte vom hohen Anspruch, den sich Chor und Orchester mit ihren beiden Dirigenten stellen. Auf denkbar gefällige leichtgängige Unterhaltung und festlichen Pomp ließ man sich gar nicht erst ein. Hier war Tiefgang musikalischer Interpretation gefragt, um die Klangqualitäten, die in der 60-jährigen Geschichte des Collegium Musicum gereift sind, zur Geltung zu bringen.
Das Miserere c-moll des tschechischen Komponisten Jan Dismas Zelenka, der einst Hofmusiker in Dresden war, vereinte zunächst unter Leitung von Martin Bargel das ganze Ensemble, und den Solopart übernahm die Sängerin des Mittelsächsischen Theaters Esther Hilsberg. Das ist ein durchaus schwieriges Stück Musik, das mit seinem Kontrastreichtum hohe Anforderungen an das stimmliche und instrumentale Ausdrucksvermögen stellt. Vor allem kam hier die homogene Klangqualität des ganzen Ensembles zur Geltung – es ist ein Vorzug des Collegium Musicum, dass Orchester und Chor seit zehn Jahren vereint sind.
Vereinsvorsitzender Ulrich Pöschmann meinte, das sich seitdem neue Klangerfahrungen herausgebildet haben, die viele Möglichkeiten der Interpretation barocker, klassischer und moderner Musik eröffneten. Auch im Bereich der Romantik ist das Ensemble zu Hause, der Chor gab davon stimmungsvolle Proben mit Liedern von Schumann und Motetten von Mendelssohn-Bartholdy.
Das Meisterstück des Konzertes war die Aufführung der Sinfonie Nr. 104 D-Dur von Joseph Haydn, die letzte der sogenannten Londoner Sinfonien und die Krone des sinfonischen Schaffens Haydns. Hier mussten sich das Orchester und am Pult Dirk Brandenburger nicht nur auf die technisch-spielerischen Voraussetzungen einstellen, sondern auch auf ein weit gefächertes Spektrum der Stimmung. Haydn nimmt bei dieser letzten Sinfonie den ganzen Menschen bei der Hand, Schmerz und Trost, leidenschaftliche Aufwallung du Besänftigung, dunkle Verzagtheit und freudvolle Lebenslust. Eine große Leistung des Collegium Musicum, die fürs Ganze sprach. „Das hatte ich nicht erwartet, ehrlich gesagt. Die haben gespielt wie ein Profiorchester“, urteilte Studentin Mandy Brunner aus Chemnitz, deren Freundin im Collegium als Gast mitwirkte.